DEUTSCHLANDPOLITIK

Pauli gründet „Freie Union“

19. Juni 2009 · 2 Kommentare

Gabriele Pauli gründete die Freie Union

Gabriele Pauli gründete die Freie Union

Die ehemalige Spitzenkandidatin der Freien Wähler, Gabriele Pauli, hat am Donnerstag im Münchner Hofbräukeller ihr Konzept für eine neue Partei vorgestellt. Unter dem Namen „Freie Union“ soll diese bereits an der Bundestagswahl im Herbst teilnehmen. Aufgrund der Parteigründung wurde Pauli bereits aus der Fraktion der Freien Wähler, als deren Spitzenkandidatin sie angetreten und die bei den Wahlen zum Europaparlament mit 1,7% klar an der Fünfprozenthürde gescheitert waren, im Bayerischen Landtag ausgeschlossen. Es solle bei der Freien Union nicht um bestimmte Zielgruppen, nicht um zentrale Themen und nicht um Politikinszenierung gehen, erklärte Pauli.

Vielmehr solle die Freie Union zur Rückkehr der Wahrhaftigkeit in der Politik beitragen und diese wieder stärker im Volk verankern. Sie plädierte allgemein für mehr direkte Beteiligung der Bürger an der Politik, mehr Direktmandate und ein einfacheres Steuersystem.

Die zentrale Aussage lautete: „Erfolg ist, wenn man sich selber folgt.“ Das bekannte Konzept einer Ehe auf Zeit verteidigte Pauli zwar, betonte aber, daß dies nicht wesentliches Motiv der Parteigründung sei. Diese soll am Sonntag in München stattfinden. Pauli berichtete von einem überwältigenden Echo.

DIE WELT lässt an der Pressekonferenz kein gutes Haar:

Im Namen ihrer neuen Organisation fasst sie ihr politisches Scheitern zusammen: Freie Union soll die Partei heißen, die Gabriele Pauli – einst Landrätin der CSU und Spitzenkandidatin der Freien Wähler bei der Europawahl – am Sonntag in München gründen will. Hinter der Kombination aus Freie und Union einen dialektischen Fortschritt zu vermuten, wäre aber grundfalsch.

Es gleitet eher in ein esoterisch-spirituelles Allerlei ab, was die fraktionslose Landtagsabgeordnete heute als „Grundgedanken“ ihrer Partei vorstellte. Ehemalige Parteifreunde sprechen schon von „Paulis Paralleluniversum“.

Für „wahre Werte“, nämlich „Frieden, Liebe, Freude, Geduld“ will sich die Politikerin stark machen. „Man stelle sich eine Welt vor, die die Menschen unterstützt, sie selbst zu sein“ steht über dem zweiseitigen Programmentwurf. Mit der Parteigründung will Pauli erreichen, was ihr die Freien Wähler versagten: eine Kandidatur bei der Bundestagswahl im September.

Pauli fühlt sich offenbar berufen den Kampf gegen das Böse in der Welt aufzunehmen: „Denn alles, was das Böse braucht, um zu triumphieren ist, dass die guten Menschen nichts tun, so ein Sprichwort. Dementsprechend werden wir das tun, was in unserer Macht steht, um diesen Triumph zu verhindern.“

Wer sich hinter „wir“ verbirgt, konnte Pauli nicht sagen. Sie sprach aber von einer täglichen Flut von Mails und Anfragen. Sie habe die Gründung einer Partei in die Wege geleitet, ohne die Mitstreiter zu kennen, „aber es ist schön einen Gedanken in die Welt zu setzen“.

Schließlich sei „alles durch unsere Gedanken entstanden – auch die Gegenstände vor uns“, sagte Pauli und schaute entrückt auf die zahlreichen Mikrofone vor ihr.

Der Spekulation, ob sie sich einer weltanschaulichen Organisation oder einer Sekte angeschlossen habe, widersprach die 51-Jährige: „Alles, was ich hier mitteile, sind meine eigenen Gedanken.“ Keine großen Gedanken macht sie sich offenbar, wie sie die organisatorische Hürden für die Gründung einer Partei überwinden kann, und welche Konsequenzen sie zieht, wenn ihr Plan scheitert: „Ich denke nicht in Szenarien. Alles was ist, hat auch seinen Sinn“, sagte sie.

Um bei der Bundestagswahl antreten zu können, muss sie bis zum 29. Juni Satzung, Programm und Vorstand beim Bundeswahlleiter anmelden. Tritt Pauli nur in einem Wahlkreis an, benötigt sie lediglich 200 Unterstützer-Unterschriften.

Ein Sinn in der Parteigründung von Frau Pauli ist absolut nicht erkennbar, zumal ihre Ziele vollkommen nebulös bleiben. Nachdem sie bereits bei der Europawahl deutlich unter den 5% blieb, erscheint ihr Neuansatz reichlich sinnlos.

[1] Junge Freiheit: Paulis Neue heißt „Freie Union“
[2] DIE WELT: Freie Union – Paulis politisches Paralleluniversum

Kategorien: Politik
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